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Schwangerschaftsberatung
schlägt Alarm
Keine
Abtreibungen in Hamm mehr möglich
HAMM - Seit Kurzem
haben Frauen keine Möglichkeit mehr, einen Schwangerschaftsabbruch
in einer Praxis in Hamm durchführen zu lassen. Die Arbeiterwohlfahrt
(Awo) schlägt vor diesem Hintergrund Alarm.
Der einzige örtliche
Gynäkologe, der bislang Abtreibungen vorgenommen hatte, ist jetzt in
den Ruhestand gegangen und hat seine Praxis geschlossen. „Frauen
werden in dieser physisch und psychisch belastenden Situation
zusätzlich mit der Problematik von langen Anfahrtswegen und
Fahrtkosten konfrontiert“, sagt Claudia Keeve, Beraterin für
Schwangerschaftskonflite der Awo, alarmiert.
Sie mache sich dabei vor
allem Sorgen um minderjährige Schwangere oder
Leistungsbezieherinnen, die nicht mobil sind und die notwendigen
Fahrten in andere Städte nicht finanzieren können.
Schon wie bisher nur eine
einzige Praxis in der Stadt zu haben, sei zu wenig gewesen. Rund 300
Beratungsgespräche zum Thema Schwangerschaftsabbruch führt allein
die Awo in Hamm jährlich durch. „Natürlich hat sich nicht jede
dieser Frauen für einen Abbruch entschieden“, so Keeve. Dennoch
schätzt die Schwangerschaftsberaterin, dass die Anzahl der Eingriffe
für einen Arzt allein nicht zu bewältigen sei.
„Die Frauen hatten außerdem
gar keine Alternative vor Ort, das war für einige nicht einfach“, so
Keeve. Viele Betroffene hätten den Schwangerschaftsabbruch in einer
anderen Stadt vornehmen lassen, „auch um in ihrem Wohnort nicht
erkannt zu werden.“
Diese Wahlmöglichkeit
bestehe für Frauen seit diesem Monat erst gar nicht mehr. Für einen
Eingriff müssten sie jetzt beispielsweise nach Dortmund oder
Münster.
Insgesamt 21
niedergelassene Gynäkologen gibt es in Hamm. „Nach der
Bedarfsplanung ist diese Anzahl ausreichend“, sagt Christopher
Schneider, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung
Westfalen-Lippe (KVWL).
Wie viele Ärzte, die
Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, in einem Gebiet notwendig sind,
wird von der Bedarfsplanung hingegen nicht berücksichtigt. „Das ist
die persönliche Entscheidung des Arztes“, so Schneider.
Die fachliche Kompetenz zur
Durchführung eines solchen Eingriffs besitzt jeder Frauenarzt. „Will
ein Frauenarzt jedoch operative Schwangerschaftsabbrüche vornehmen,
muss er auch die Räumlichkeiten dazu haben und gewisse Kriterien
erfüllen“, sagt der Pressesprecher.
Eben das wird laut
Schwangerschaftsberaterin Keeve auch von den Ärzten immer wieder in
der Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche angeführt: „Viele sagen,
die operativen Möglichkeiten bereitzustellen, sei zu teuer.“
Doch Abtreibungen seien
generell ein heikles Thema – auch für Gynäkologen. Auch der Hammer
Arzt, der in seiner Praxis bisher Abtreibungen durchführte, möchte
seinen Namen in Verbindung mit diesem Thema nicht in der Zeitung
lesen.
„Die Bereitschaft der
Ärzte, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, ist gering“, sagt
Keeve. Die älteren Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, gingen langsam
in den Ruhestand, doch es seien nur wenige der nachkommenden
Gynäkologen dazu bereit.
„Die Alten haben noch das
Elend vor 1968 erlebt, als der Schwangerschaftsabbruch unter Strafe
stand und die Verhütungsmittel nicht so gut waren“, wagt die
Schwangerschaftsberaterin einen Erklärungsversuch. Heute herrsche
hingegen Unverständnis, wenn eine Frau trotz Pille und zahlreicher
anderer Verhütungsmöglichkeiten schwanger würde, so Keeve.
„Man kann keinen Arzt dazu
verpflichten“, stellt Keeve klar. Dennoch versucht sie, Kontakt zu
den Gynäkologen in Hamm aufzunehmen. In der vergangenen Woche hat
Keeve ein Schreiben an die Praxen verschickt, in dem sie auf die
neue Situation aufmerksam macht und um Meinungen und Ideen für
Lösungsvorschläge bittet. „Ich bin gespannt, ob und wie sich die
Ärzte darauf zurückmelden“, sagt die Sozialarbeiterin.
Quelle:http://www.wa.de/lokales/hamm/stadt-hamm/keine-abtreibungen-hamm-mehr-moeglich-schwangerschaftsberatung-schlaegt-alarm-3677138.html?popup=print
v. 5.7.2014 |